Fernbeziehungen sind anstrengend. Das weiß jede:r, der eine führt oder geführt hat. Die Sehnsucht unter der Woche, die Wochenenden, die man schon Montag herbeisehnt, die Frage… Und dann steht man auf dem Bahnsteig in NRW, schaut auf die Anzeigetafel – und die Deutsche Bahn kommt wieder nicht.
Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe es versucht. Eine Fernbeziehung, regelmäßige Fahrten auf meiner Stammstrecke im Regionalverkehr, und die feste Überzeugung, dass das mit der Bahn schon irgendwie funktioniert.
Ohne Auto, aus Überzeugung. Mit BahnCard, aus Vernunft. Was dann folgte, war eine Lektion in Sachen Vertrauen – und darin, wie schnell es sich in Luft auflöst.
Inhaltsverzeichnis
Die BahnCard: Weil man ja plant
Wer eine Fernbeziehung per Bahn organisiert, plant. Man kennt die Strecke, kennt die Züge, kennt die ungefähren Kosten.
Also kauft man eine BahnCard. 50 Prozent Rabatt auf Einzelfahrscheine – das klingt nach einer soliden Grundlage. Auf meiner Verbundstrecke im Regionalverkehr galt dieser Rabatt jahrelang verlässlich. Ich kaufte die Karte jedes Jahr, weil sich die Rechnung aufging.
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Dann war der Rabatt plötzlich weg
Bis Januar 2025. Dann war der Rabatt weg. Nicht angekündigt, nicht erklärt, nicht kommuniziert. Kein Brief, keine E-Mail, kein Hinweis im Online-Kundenkonto, kein Aushang am Bahnhof.
Ich merkte es beim nächsten Ticketkauf, als plötzlich der volle Preis auftauchte. Erster Gedanke: Fehler im System. Zweiter Gedanke, nach kurzem Recherchieren: kein Fehler.
Der Verkehrsverbund hatte entschieden, die Rabattgewährung für BahnCard-Inhaber:innen einzustellen. Wirtschaftliche Gründe, heißt es. Mag sein.
Deutsche Bahn-Fahrtkosten steigen
Aber wenn sich die Konditionen einer Jahreskarte, für die ich bereits bezahlt habe, still und heimlich verändern – dann ist das keine Kleinigkeit. Dann sind das schlicht andere Vertragsbedingungen, von denen ich hätte wissen müssen.
Was das für eine Fernbeziehung bedeutet, ist schnell ausgerechnet: Die Fahrtkosten steigen erheblich. Aus einem planbaren Budget wird ein unkalkulierbarer Posten.
Und wer ohnehin schon jongliert – Wochenenden koordinieren, Zugtickets buchen, Abwesenheiten erklären – dem fehlt für solche Überraschungen jeder Puffer.
Kündigung aus Kulanz? Nicht vorgesehen
Mein erster Impuls war vernünftig, fand ich: Wenn die Leistung wegfällt, für die ich die BahnCard gekauft habe, möchte ich aus dem Vertrag.
Außerordentliche Kündigung, Kulanz, irgendetwas. Ich schrieb die Deutsche Bahn an und schilderte die Situation.
Keine außerordentliche Kündigung möglich
Die Antwort war eindeutig: Nein. Keine außerordentliche Kündigung möglich. Die BahnCard läuft bis zum Ende der regulären Vertragslaufzeit.
Auf die eigentliche Frage – warum eine Leistungsänderung zu keiner Vertragsanpassung führt – ging niemand ein. Als hätte ich ein abstraktes philosophisches Problem beschrieben, kein konkretes.
Spürbare finanzielle Belastung
Das Ergebnis: Ich zahle weiterhin die Jahresgebühr für eine Karte, die auf meiner Hauptstrecke keinen Rabatt mehr bringt. Meine Fahrkosten haben sich effektiv verdoppelt.
Und das auf unbestimmte Zeit, bis der Vertrag ausläuft. Für jemanden, der regelmäßig für die Beziehung pendelt, ist das kein kleines Ärgernis – das ist eine spürbare finanzielle Belastung.
Das Deutschlandticket als Plan B – mit Tücken
Also: Deutschlandticket. 58 Euro im Monat, NRW und darüber hinaus, flexibel, unkompliziert. Klingt gut, ist es oft auch. Ich kaufte es, als klar wurde, dass die BahnCard-Rechnung nicht mehr aufgeht.
Am ersten Morgen mit dem neuen Ticket stand ich pünktlich auf dem Bahnsteig. Und wartete. Die Regionalbahn fiel aus. Kein Ersatzverkehr, keine Ankündigung, keine Alternative. Einfach gestrichen.
Drei Ausgaben für eine verspätete Fahrt!
Ich hatte an diesem Morgen einen Termin – einen dieser Termine, die man nicht verschieben kann, auf die man sich vorbereitet hat, für die man pünktlich sein möchte. Besonders dann, wenn es nicht um den Job geht, sondern um einen Menschen.
Also kaufte ich ein IC-Ticket. Mit dem Deutschlandticket in der Tasche, das dafür nicht gilt. Zwei Tickets für eine Strecke, plus die laufende BahnCard-Gebühr für eine Karte ohne Mehrwert.
Drei parallele Kosten für eine einzige Fahrt. Der IC kam übrigens auch zu spät an.
Deutsche Bahn und Fernbeziehung? Kompliziert
Es geht nicht nur um Geld, obwohl das eine Rolle spielt. Es geht um das Gefühl, sich auf etwas verlassen zu können. Fernbeziehungen funktionieren, wenn die Logistik im Hintergrund läuft. Wenn man weiß, wann man fährt, was es kostet, und dass man ankommt.
Sobald diese Verlässlichkeit fehlt, wird jede Fahrt zur Nervenprobe. Man bucht früher, plant mehr Puffer ein, rechnet mit Ausfällen. Und irgendwann beginnt man zu fragen, ob das so sein muss.
Keine Möglichkeit, diesem Unternehmen zu vertrauen
Ich bin kein grundsätzlicher Bahn-Gegner. Ich habe bewusst auf das Auto verzichtet. Ich glaube an den öffentlichen Nahverkehr, an Züge als sinnvolle Alternative, an die Idee, dass man auch ohne eigenes Fahrzeug mobil und unabhängig sein kann.
Aber dieser Glaube lebt von Verlässlichkeit. Und von dem Gefühl, dass das Unternehmen, dem man vertraut, dieses Vertrauen zumindest zur Kenntnis nimmt. Das Gefühl habe ich verloren.
Was sich endgültig ändern müsste
Es sind keine weltbewegenden Forderungen. Wer seine Kund:innen über Leistungsänderungen informiert, handelt nicht großzügig – das ist einfach selbstverständlich.
Wer kulant reagiert, wenn ein Vertrag seinen versprochenen Wert verliert, macht nichts Besonderes – das ist Anstand. Und wer Ersatzverkehr einrichtet, wenn ein Zug ausfällt, erfüllt nur das, wofür Menschen bezahlt haben.
Deutsche Bahn als Liebestöter? Fazit
Fernbeziehungen verlangen ohnehin schon viel. Die Bereitschaft, immer wieder loszufahren. Die Geduld, Distanz auszuhalten. Die Überzeugung, dass es sich lohnt.
Das alles bringt man mit. Was man nicht mitbringen sollte, ist die Aufgabe, gleichzeitig auch noch gegen das Verkehrsunternehmen anzukämpfen.
Deutsche Bahn könnte echter Partner sein
Die Deutsche Bahn könnte ein echter Partner für all jene sein, die aus Liebe – oder Überzeugung – immer wieder einsteigen. Noch ist die Chance nicht vorbei.
Aber sie schwindet mit jeder gestrichenen Fahrt, jedem schweigenden Kundenservice und jeder unangekündigten Leistungskürzung ein bisschen mehr.
Führt ihr ebenfalls eine Fernbeziehung per Bahn – oder habt ihr es irgendwann aufgegeben? Schreibt es in die Kommentare.
Artikelbild: Wolfang Weiser / Unsplash
